Aus der Reihe gern ignorierte Nachrichten und Tips von Tischlampe:
Gerd Haffmans, die letzten 20 Jahre einer der raren Verleger mit sicherem Humor-und Satirehändchen (dafür kaufmännisch wohl eher zweifelhaft) darf jetzt bei zweitausendeins wursteln. Zitat zweitausendeins:
Jeder macht, was er am besten kann. Gerd Haffmans schlägt Autoren und Bücher vor und betreut sie bis zur Drucklegung. Sein Partner Urs Jakob macht für uns die Gestaltung und Herstellung in gewohnter Haffmans-Qualität.Und wir machen den Rest: Wir schließen die Verträge; wir drucken, wir verkaufen die Bücher; wir bezahlen die Autoren
Allerdings hat er es sich mit seinem Neu-Erstlings-Titel "Mein Leben als Schlampe" , angeblich von einer gewissen Linda Verhaelen, bei mir schon gründlich verscherzt.
Es gibt nur eine: Tischlampe
Aber was regen Sie sich auf, werte Frau (Ti)schlampe? Der Haffmans hatte ja nur einen Verlag in dr Schwiiz. Und nun - ein Neuanfang mit Vorzeichen, die der Gerd (nicht Shroed) noch nicht kennt... - in D!?
Ihre Rachegelüste werden schon noch beruhigt.
Heute ist Montag/Dienstag/Mittwoch/Donnerstag/Freitag/Samstag/Sonntag (zutreffendes bitte unterstreichen)
Möglicherweise ist dies schon kalter Kaffee, und das von mir erwähnte Buch ist schon hundertmal in irgendeinem Strang hier über den grünen Klee gelobt worden. Mentz wird es auf jeden Fall getan haben, falls nicht, sollte er schnellstens in Ruhestand gehen.
Ich weiß auch nicht, ob ich hier richtig bin, ich habe vergebens nach einem Bücherforum gesucht. Da dieses Buch bei Haffmans erschien, habe ich es jetzt nach langem Suchen hierher geschleppt.
Zunächst: Ich muss beim Autor Abbitte leisten (obwohl zum Glück keine Folgen zu beklagen sind): Es gibt Ereignisse, die einen für manches weitere verschlosssen machen. Der erste, negative Eindruck der Person Volker Kriegels aufgrund eines TV-Interviews vor vielen, vielen Jahren (ca. 1971) zum Thema „Wer ist der bessere Gitarrist – Santana oder Mc Laughlin?“ war einfach zu nachhaltig. Umso bemerkenswerter meine Wandlung vom Entsager zum Befürworter. Aber dazu später.
Volker Kriegels Buch Manchmal ist es besser, man sagt gar nix (Haffmans Verlag, 1998) ist ein großartiges Zeugnis eines außergewöhnlichen Multikünstlers.
Volker Kriegel kann trefflich Gitarre spielen (davon habe ich mich als Kenner der Materie mehrfach überzeugt). Er schreibt sehr elegant, anschaulich, wenngleich auch m.E. nicht jener Brillanz, die ihm in die Ahnengalerie der Literaten verhelfen sollte. Vor allem aber: nicht mit jenem Abstand zur musikalischen Szene, die ihn objektiv erscheinen lässt. Das macht zum einen den Reiz aus, zum anderen ist es jedoch einfach besserwisserisch, manchmal auch elitär. Aber sind wir nicht alle ein wenig elitär? Na eben.
Als Cartoonist/Karrikatourist gehört er ohne Umschweife der allerersten Riege zugeordnet. Ich mag keine Ranglistenturniere, keine Charts, vor allem keine Vergleiche („Katz ist besser als Goldt“ o.ä.) zwischen nicht Vergleichbarem, aber was Kriegel in diesem „Sammelband“ vorstellt, ist ein Feuerwerk an intelligenter Albernheit, kritischer Verarbeitung von kultivierter Lebensart (ich denke, er gehört wohl der „gemäßigten“ Toskana-Fraktion an), ironischer, feinsinniger Selbstdarstellung sowie direkter, geradliniger Satire. Was will man mehr?
Kurz: Er ist ein Meister seines Fachs (besser: seiner Fächer, und ich ziehe inzwischen den Hut vor ihm). Ich habe selten so viel Vergnügen bei einer Lektüre gehabt. Und das hätte ich niemals bei jemandem vermutet, bei dem ich voreingenommen war (s.o.). Warum ich dies war? Weil er (hier kommt die Auflösung) Santana im Vergleich zu McLaughlin bezüglich der gitarristischen Fähigkeiten runtermachte. Als Musiker zu Musiker. Der Inhalt entsprach zwar meiner Einschätzung, Kriegels öffentliche Abkanzlung Santanas wertete ich aber als Ausdruck unkollegialen, elitären Verhaltens. Als Indiz für ein „Kollegenschwein“. Ist er sicherlich nicht.
Dies ist eben auch mein kleiner Kritikpunkt an dem hier zitierten Werk: Ein (für mich etwas zu starker) Hauch von sehr subjektiver, aber als objektiv ausgegebene Darstellung in manchen Texten. Aber vielleicht auch die letzten Reminiszenzen meiner frühen Begegnung.